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Überraschende Ergebnisse einer Umfrage in der deutschen Gaswirtschaft
(Berlin, 23. Juli 2008) TEAM CONSULT, eine in Berlin ansässige und auf die Energiewirtschaft und speziell den Gassektor ausgerichtete Managementberatung, hat in einer breit angelegten Befragung von mittleren und größeren Gasversorgungsunternehmen teilweise überraschende Ergebnisse zur Einschätzung und zum Verhalten der Unternehmen im Gasverkauf und dem Gaseinkauf zu Tage gefördert.
Da die Antworten mehr als 12% des deutschen Gasabsatzes im Bereich der Weiterverteiler repräsentieren und die Antwortenden zu mehr als ¾ in der Geschäftsführung sitzen bzw. Verantwortung für die Gasbeschaffung tragen, darf man den Antworten Repräsentativität und Kompetenz unterstellen.
Schlechte Nachrichten für die etablierten Vorlieferanten:
Die örtlichen Gasversorger begrüßen sehr deutlich die vereinfachenden Regelungen der Bundesnetzagentur zum Netzzugang und zur Tagesbilanzierung. Der Wettbewerb zwischen Vorlieferanten wird inzwischen als normal betrachtet und die weit überwiegende Mehrheit hat keine Hemmungen, sich ganz oder teilweise vom bisherigen Vorlieferanten zu trennen, wenn die Konditionen stimmen.
Am wichtigsten hierbei sind neben Preishöhe und -system fast gleichauf in der Bedeutung Versorgungssicherheit und Lieferflexibilität.
Das ist auch plausibel, da die meisten Teilnehmer entweder nach wie vor Vollversorgungsverträge oder eine strukturierte Beschaffung in Verbindung mit offenen Verträgen praktizieren. Ein Portfoliomanagement nur mit standardisierten bzw. Take-or-Pay Produkten ist eben nicht für alle beherrschbar.
Man scheint sich des langfristig sicheren Gasangebotes sicher zu sein, im Hinblick auf langfristig gestaltbare marktgerechte Konditionen aber Bedenken zu haben: In den letzten 2 Jahren haben sich Vertragslaufzeiten massiv auf 1-2 Jahre verkürzt. Kurzzeitverträge haben inzwischen deutlich die
Oberhand gewonnen.
Speicher und Speicherkapazitäten genießen hohes Interesse aufgrund der neuen Möglichkeiten im liberalisierten Markt.
Zusammengefasst kann man feststellen, dass die Befragungsteilnehmer weit überwiegend gewillt sind, die neuen Möglichkeiten auf dem Beschaffungsmarkt zu nutzen und das 2-Vertragsmodell sowie die Tagesbilanzierung begrüßen.
Der Beschaffungsmarkt befindet sich in einem beschleunigten mentalen und physischen Umbruch.
Optimismus bezüglich des eigenen Absatzes:
Erstaunlich andererseits die Einschätzung der eigenen Absatzmärkte und deren zukünftige Entwicklung.
Nur 2/3 der Unternehmen erwarten einen Marktrückgang aufgrund von CO2 Einsparmaßnahmen und lediglich ein knappes Drittel eine dadurch bedingte Absatzreduzierung von 2% und mehr.
Hier kann nur dringend die intensive und politische Beschäftigung mit dieser Problematik empfohlen werden – TEAM CONSULT hält diese überwiegende Erwartung jedenfalls für viel zu optimistisch.
Relativ optimistisch auch die Beurteilung des Wettbewerbs um Endkunden:
- Mehr als die Hälfte der Unternehmen glaubt, dass in den nächsten fünf Jahren bei den Privatkunden weniger als 5% „verloren gehen“.
- Bei Geschäftskunden ist man nicht so optimistisch. Immerhin etwa die Hälfte hält einen Kundenverlust von etwa 20% für möglich.
Was ist, wenn die eigenen Kunden in diesen Hochpreiszeiten genauso preisempfindlich und mündig im Markt reagieren wie sie als Nachfrager auf dem Beschaffungsmarkt?
Das Verhalten und die Planungen der Unternehmen lassen erkennen, dass die neuen Bedingungen und Möglichkeiten akzeptiert, ja gewünscht sind und Vorteile für die Gasbeschaffung erwartet werden. Voraussetzung hierbei: die Instrumente und Prozesse stimmen.
Die Risiken auf den Absatzmärkten scheinen eher unterschätzt zu werden.
Eine stärkere Beschäftigung insbesondere mit den Auswirkungen des Energie- und Klimaplans (IEKP) der Bundesregierung ist der Branche zu empfehlen.
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